Apollinaire 2002

Projektbeschreibung:
In einer literarischen Collage verschmelzen die in den Jahren 1901 und 1902 am Mittelrhein entstandenen Gedichte Guillaume Apollinaires verbunden mit autobiographischen Texten in deutscher und französischer Sprache — unterlegt mit Musik vom Jazz bis bis hin zur elektronischen Musik — und surrealistischer Bildgestaltung zu einer Bühnenschau.

Damit wurde in öffentlichen Aufführungen im gesamten Mittelrheingebiet auf die Bedeutung des Dichters für die Rhein-Literatur aber auch für seine Mittlerrolle zwischen Deutschland und Frankreich hingewiesen.
Bericht Rheinzeitung vom 25.05.02 über die Premiere
RZ-Bericht vom 25.05.2002 über die Premiere

Bilder der Premiere


 


 


 


 


 

Kritik Liesetotte Sauer-Kaulbach:
Multimediale Collage aus Wort, Musik und Bild
Arbeitskreis "Die Treidler" erinnern an den Rhein-Romantiker Guillaume Apollinaire - Ausschnitte aus "Brüste des Tiresias"

VALLENDAR. "Ringförmig müßt diese Bühne sein, das wär ein Spielort für unsere Kunst, die frei verbindend, ganz wie das Leben den Ton, die Geste den Schrei der diese Forderungen in seinem ersten (und einzigen) Bühnenstück, den " Brüsten des Tiresias", erhebt, ist der französische Dichter Guillaume Apollinaire (1880 -1918), lange Zeit eher vergessen, erst in jüngster Vergangenheit wieder stärker ins literarische Bewusstsein gerückt. Vielleicht waren es ja gerade diese Zeilen, die Jürgen Helbach und den kulturellen Arbeitskreis "Die Treidler" zu einer multimedialen Collage aus Wort, Musik und Bild rund um Apollinaire anregten, jetzt in der Marienkapelle der WHU in Vallendar präsentiert.

Ein Projekt, passend auch zum 200. Geburtstag der Rheinromantik, denn Apollinaire, mit bürgerlichem Namen Wilhelm Apollinaris de Kostrowitsky und italienisch-polnischer Abstammung, wandelte durchaus noch ganz auf romantischen Spuren, als er sich ein Jahr lang, von August 1901 bis August 1902, am Rhein aufhielt, als Hauslehrer in der Nähe von Bad Honnef.

Texte als Rückgrat

Texte, die in dieser Zeit entstanden, bilden das Rückgrat der "Loreley, Schinderhannes, Marizibill & Co." betitelten Collage, Texte teilweise, die vieles in der Schwebe, nur ahnen lassen, symbolschwanger, synästhetisch aufgeladen, empfindungsreich. Gedichte wie das einer Kölner Prostituierten gewidmete "Marizibill ". Auch die auf die Leinwand projizierten Bilder (digitale Präsentation: Christoph Helbach) greifen diese Motive auf, die Jazzmusiker Bernd Krick und Matthias Harig lassen sich von ihnen bei ihren begleitenden Kompositionen inspirieren. Gleich zu Beginn rauscht es auch in der Musik strömend auf, improvisationsartig schmiegen sich Trompeten- oder Saxophonmotive den Worten an, akzentuieren deren immanente Dramatik, etwa beim Sturz der Schönen (Loreley) in die Fluten.

Apollinaire hätte dieses Wechselspiel gut gefallen, die Art vor allem auch, wie der Schauspieler Harald Effenberg seine Texte liest, wohl ausgewogen zwischen deutlicher Pointierung und in der Schwebelassen.

Autobiografisch

Interessant im zweiten, stärker autobiografischen Texten gewidmeten Teil der Collage ist insbesondere der halb gelesene, halb gespielte Ausschnitt aus den "Brüsten des Tiresias", sinnenverwirrender Surrealismus, verdichtet in dem die Collage beendenden, anspielungsreichen "Chanson du Mal-Aimé", dem" Lied des Ungeliebten " von 1903.


Liesetotte Sauer-KaulbachM
 
Material

Fordern Sie die Audio-CD an über unser Kontaktformular an.
"Guillaume Apollinaire: Loreley, Schinderhannes, Marizibill & Co "

 

Alle Instrumente gespielt von Bernd Krick und Matthias Harig.
Sprecher: Harald Effenberg, Jocelyne Helbach-Garnier, Friedericke Krick uns Stefan Krick